Velours, Schlingware, Frisé: Erfahren Sie mehr über die wichtigsten Herstellungsverfahren von Teppichböden. Für weiteregehende Fragen wenden Sie sich am besten an eine Fachperson.
Weben
Dank diesem traditionellen Herstellungsverfahren ist höchster Teppich-Komfort gewährleistet – der durch die aufwändige Produktion allerdings auch seinen Preis hat. Einige Hersteller von kleinen und grossen Breiten verwenden diese Technik unterdessen auch mit synthetischen Fasern, wodurch eine neue Qualität garantiert wird. Beim Webvorgang werden die Kettfäden aufgeteilt und maschinell gehoben und gesenkt. Die dadurch entstandene Öffnung zwischen den Kettenfäden nennt sich Fach. Durch das sogennante Fach wird ein Schützen gezogen, der den Schlussfaden einzieht. Das abwechselnde Senken und Heben lässt Fadenverkreuzungen (Bindungen) entstehen.
Nadelvliesverfahren
Ein Nadelfilz-Teppich besteht aus einer oder auch mehreren Schichten Textilbelag. Diese Schichten wiederum entstehen aus einer Wirrlage von Stapelfasern, die wiederum durch Nadelung untereinander verfilzt sind. Ein solcher Teppich kann sowohl mit als auch ohne Trägermaterial produziert werden. Dank einer thermischen oder chemischen Bindung erreicht man eine zusätzliche Stabilität. Solche Böden empfehlen sich besonders für stark genutzte Räumlichkeiten.
Kugelgarn
Die Schweizer Firma Fabromont hat ein verwandtes Verfahren entwickelt: Das sogenannte Kugelgarn. Solche Teppichböden sind relativ leicht zu verarbeiten. Aufgrund der hohen Dichte der Kugelgarnfaser sind nach dem Verlegen weder Schnittkanten noch Nahtstellen. Da die Teppiche richtungsfrei sind, liegt auch der Verschnitt bei höchstens 5%. Im Vergleich zur Web- und Tuftware besteht die Nutzschicht nicht aus längs gesponnenen oder Endlosgarnen, sondern aus zu Kugeln verzwirbelten Fasern.
Tufting
Da das Tufting-Verfahren die rationellste Verarbeitung von Teppichböden darstellt, ist es auch am gebräuchlichsten. Der Begriff „Tufting“ (oder „tufted“) wird vom englischen Wort tuft (Büschel) abgeleitet und benennt die Einnadelung des Polgarns in ein vorgefertigtes Trägermaterial. Die Rückseite der Rohwahre erhält, um die Polnoppen stabil mit dem Trägermaterial zu verbinden, eine Beschichtung aus Latexdispersion oder Polyurethan. Ebenfall verwendet werden Schaumrücken oder Gewebekaschierungen. Aufgetragen wird das Material in einem einzigen Arbeitsgang. Teppiche, die auf diese Weise hergestellt werden, kommen unter der Bezeichnung Tufting-Ware in den Verkauf. Mit 85% Marktanteil gehören sie (neben 10% gewobenen und 5% im Nadelvliesverfahren hergestellten Teppichen) zu den beliebtesten Produkten. Ob die Oberfläche Velours oder Schlinge ist, entscheidet die weitere Verarbeitung.
Verschiedene Tufting-Oberfläche
- Velours: Übersetzt man Velours, bedeutet das Wort nichts anderes als „samtiges Gewebe“. Bereits in der Maschine wird die beim „tuften“ gebildete Schlinge aufgeschnitten (engl.: „to cut“). Unter der Bezeichnung „Cut“ versteht man die Veloursnoppen bestehend aus gesponnenem oder Endlosgarn mittlerer Polhöhe.
- Hinweis zu Velours-Böden: Shading: Wegen ihrer angenehm weichen Oberfläche mit Schattierungseffekten, werden Velours-Teppichböden besonders geschätzt. Jedoch kann die Nutzung dieser Böden auch bleibende Schattierungen verursachen (Shading-Effekt): Die wasserfleckartigen und wirbelähnlichen Konturen bilden sich unabhängig von starker Nutzung, Laufstrassen, Faser- oder Herstellungsart. Entfernen lassen sich die Flecken weder mit Bürsten noch Wasser. Die Beeinträchtigung ist rein optischer Natur und sagt nichts über die Tauglichkeit des Produkts aus und kann im übrigen auch nicht vom Hersteller beeinflusst werden. Anscheinend besteht jedoch ein Zusammenhang zwischen Umweltbedingungen und Verlegeortes.
- Frisé: das Garn beim Frisé oder Kräusel-Velours wird besonders stark gezwirnt und danach fixiert. Äusserst widerstandsfähig gegen Gebrauchsspuren, ist diese Oberfläche praktisch für den alltäglichen Gebrauch.
- Saxony: der Saxony (engl. für Hochflor-Velours) weist eine Polhöhe ab ca. 9 mm auf und besteht aus thermofixiertem Zwirn bzw. Garn. Die zusätzliche Zwirndrehung bildet einen fest in sich geschlossenen Garnstempel, welcher der Stauchwirkung beim Begehen und statischer Belastung (z. B. Stuhlbeine) viel effizienter widersteht als dies bei einzelnen Garnfaser des Normalvelours der Fall ist. Sehr typisch für diese Velour-Art ist ein körniges Oberflächenbild.
- Shag: der sogenannte Shag ist ein Saxony mit einer Polhöhe ab ca. 15 mm.
- Schlinge: der Schlingenteppichboden wird aus fortlaufenden kleinen Garnschlingen von gleicher Höhe gebildet. Der Bodenbelag aus Schlingenware wird durch das besondere Herstellungsverfahren besonders robust und ist extrem widerstandsfähig. Im Gegensatz zum Velours sind die Schlingen elastisch: Bei Belastung werden diese zusammengedrückt und richten sich danach wieder auf.
- Strukturierte Schlinge: der strukturierte Schlingenteppichboden wird im Unterschied zur normalen Schlingenware aus unterschiedlich hohen Garnschlingen hergestellt. Dies führt zu einem reizvollen Struktur-effekt.
- Hochtief-Struktur: die sogenannten Hochtief-Struktur ist eine besonders beliebte Oberflächenmusterung. Wirkungsvoll betont die Musterung die Dreidimensionalität eines Teppichbodens. Es gibt verschiedene Verfahren:
- 1. Cut-loop – Hochtief-Cut-loop: Cut-loop (auch Hochtief-Cut-loop) gilt als offizielle englische Bezeichnung für eine qualitativ hochwertige Produktion der Hochtief-Musterung. Hierbei wird die musterbildende Hochschlinge schon in der Tuftmaschine aufgeschnitten, wodurch die Hochschlinge eine klar abgegrenzte Velours-Hochfläche gegenüber der Tiefschlingenfläche bildet. Der Cut-loop gilt als die edle Version der Hochtief-Musterung mit oft samtigem Oberflächenbild.
- 2. Cut-loop-Saxony – Hochtief-Cut-loop-Saxony: der Cut-loop-Saxony sowie Hochtief-Cut-loop-Saxony besteht aus thermofixierter Zwirngarn hergestellte Cut-loop-Ware. Der dazu verwendete Zwirn hat besonders in den empfindlicheren Hochflächen (da Stauchwirkung nur auf kleiner zusammenhängender Fläche) eine sehr stabilisierende Wirkung. Sowohl Cut-loop-Saxony als auch Hochtief-Cut-loop-Saxony gelten als Spitzenerzeugnissen des getufteten Teppichbodens, der sich durch ein und besonders gutes Wiedererholungsvermögen auszeichnet.
- Hochtief-Tip-sheared: Hochtief-Tip-sheared bedeutet in der englische Fachbegriff “spitzengeschoren”. Die Hochschlingen werden erst nachträglich maschinell geschoren – ein besonderes Merkmal dieser Technik. Dabei wird nur einen Teil der Hochschlinge geschoren, während die Reste des liegenden Schlingenbodens sogenannte kleine “Blitzer” auf der nun matten Velours-Oberfläche bilden – charakteristisch für den Hochtief-Tip-sheared.
- Cross-over: Cross-over (engl. für „überkreuzend“), ist ein fester Begriff in der Tuftmusterung. Garne mit unterschiedlicher Färbung (Ton in Ton oder Umkehrfarbe) werden in der Tuftingmaschine nach vorgegebenem Muster aufgestellt und in die Nadeln des Nadelbalkens gefädelt. Wo unifarben wirkende Kleindessins durch Drucken nicht mehr befriedigend darstellbar oder grosse Konturverzerrungen zu riskieren sind, kommen Tufmusterungen zum Einsatz. Cross-over wird auch für geometrische Dessins beim gewebten Teppich verwendet, da die Garne – anders als beim Drucken – bis auf das Gewebe durchgefärbt sind.
Tuftgemusterte Beläge heissen in der Fachsprache auch COC (Cross-over-cut) bei Velouren oder COL (Cross-over-loop) bei Schlingenware. Ein tuftgemusterter Teppichboden wirkt, wegen der Durchfärbung, meistens deutlich edler als bedruckte Ware. Bei klein gemusterten Tuftbelägen sollte bei der Verlegung im Nahtbereich sehr sorgfältig gearbeitet werden, da es sonst zum “Reissverschlusseffekt” kommen kann.
Rückenausstattung
Dank Rückenbeschichtungen kann die Stabilität eines Teppichbodens erheblich verbessert und neben der Massbeständigkeit ausserdem eine höhere Haltbarkeit erreicht werden. Auch der Gehkomfort wird gesteigert, was sich besonders bei dünnerer Nutz- oder Polschicht zeigt.
Es existieren verschiedene Ausführungsarten:
- Schaumrücken: Der Glatt- und Strukturschaum, bestehend aus einem Latex- und Kreide-Gemisch, bildet den grössten Anteil aller Rückenbeschichtungen. Das früher üblicherweise verwendete giftige Formaldehyd ist im heutigen Teppichmaterial nicht mehr enthalten.
- Textiler Zweitrücken: Polypropylen, Polyester oder Jute, bilden ein Gewebe, das nach der Einbindung aufkaschiert wird. Durch den textilen Zweitrücken wird die Flächenstabilität verbessert. Der Vorteil eines solchen Teppichbodens, der verspannt oder vollflächig verklebt wird, hat – verglichen mit dem Glattschaumrücken – den Vorteil, so gut wie rückstandsfrei entfernt werden zu können. Bodenbeläge für Objekte mit kürzeren Renovierungsintervallen werden deshalb meistens mit einem textilem Zweitrücken versehen. Ein weiterer Vorteil: Fussbodenheizung gegenüber ist der textile Zweit- gegenüber dem Schaumrücken alterungsbeständiger.
Hinweis: Textile Zweitrücken sind im Allgemein weniger komfortabel als Schaumrücken zu begehen. Durch unter dem Teppichboden verlegte Wollfilz-Unterlagen kann die Trittschall- und Wärmedämmung stark verbessert werden.