Bei ca. 80 % aller textilen Bodenbeläge ist die obere Schicht (Flor) aus chemischen Fasern hergestellt. Nur etwa 6 – 8 % bestehen aus tierischen, der Rest aus pflanzlichen Fasern (etwa Sisal und Kokos).
Naturfasern
Tierische Fasern (Schurwolle und Tierhaare) sowie pflanzliche Fasern (Sisal und Kokos) zählt man zur Kategorie der Naturfasern. Die Schurwolle spielt bei Teppichen eine dominierende Rolle. Verschiedene Vorteile macht die Wolle zu einer perfekten Teppichfaser, die auf Grund des begrenzten Angebots leider entsprechend kostspielig ist.
- Reine Schurwolle: Neuseeländische reine Schurwolle zählt zu den reinsten Naturprodukten, die es gibt. Diese ausserordentlich saubere und weisse Wolle gilt als ideale Faser für gesunde Teppichböden und garantiert die beste Qualität. Die Schurwolle ist nicht nur von Natur aus weich, sondern auch sehr warm und elastisch, strapazierfähig, Schmutz abweisend und kaum entflammbar. Nach einer langen Lebensdauer ist sie ausserdem biologisch abbaubar. Besondere Eigenschaften: Die Schurwollfaser weist eine von Natur aus starke Kräuselung auf. Die überdurchschnittliche Wärmeisolierung ist dem grossen Volumen eingeschlossener Luft, welche wiederum wegen dem überdurchschnittlich hohe Polgewicht bei Schurwoll-Böden entstehen kann, zu verdanken. Mit einen Schurwolle-Teppich können auf natürliche und ökologische Weise erhebliche Heizkosten gespart werden. Böden, die mit Schurwolle ausgestattet sind, vermitteln zudem nicht nur optisch einen behaglichen Eindruck, sondern tragen dazu bei, die Wärme im Raum länger zu halten.
- Tierhaare: für Teppichböden werden manchmal auch Ziegenhaare verwendet. Die Beschaffenheit der Haare ist fest und robust. Ausserdem weisen sie ganz ähnliche Eigenschaften wie die reine Schurwolle auf, werden jedoch deutlich weniger oft verwendet.
- Sisal: die überdurchschnittlich strapazierfähige Agavenfaser wird normalerweise für Seile und Taue verwendet. Da Agaven jedoch kaum Insekten ausgesetzt sind, brauchen sie auch nicht mit Insektiziden behandelt zu werden. Extrem trittelastisch und robust, sind sie zum Teil sogar für Rollstuhl-Nutzung geeignet. Das Material ist zudem feuchtigkeitsbeständig, Schmutz abweisend und eignet sich hervorragend für geheizte Böden. Sisal gibt es heute verschieden gemischt: Kokos-Sisal, Sisal-Haargarn oder Mischungen mit Polyacryl.
- Kokos: die Kokosfaser ist ebenfalls sehr robust und verschleissfest. Da die Faser feuchtigkeitsbeständig ist, läuft sie kaum Gefahr, zu verrotten. Da Kokosprodukte oft auf einen Latexrücken aufgezogen, können sie am Anfang etwas riechen. Deshalb werden Kokosteppichböden von vielen Herstellern ohne eine Rückenbeschichtung angeboten.
Woll-Mischgewebe
Auf die richtige Mischung kommt es an: Für Naturfaserteppichböden wird häufig ein Gemisch aus Schurwolle/Baumwolle, Schurwolle/Rinderhaar oder Schurwolle/Yakhaar verwendet. Diese Wollmischgewebe sind fast immer mit Mottenschutzmittel behandelt worden und können deshalb allergische Reaktionen hervorrufen. Dasselbe gilt für das im Gewebe enthaltene Tierhaar.
Chemische Fasern
Im folgenden Abschnitt werden eine Auswahl von chemischen Fasern aufgelistet.
- Synthetik-Teppichböden: Synthetik-Ware besteht meistens aus Polyamid- oder Polypropylen-Flor, in seltenen Fällen aber auch aus Polyacryl- oder Polyester- Flor. Die Auswahl an Farben und Dessins ist bei Synthetik- Teppichböden praktisch grenzenlos. Der Vorteil von Kunstfaserteppichen ist zudem das strapazierfähige Material, welches sich optimal für Treppen und Büros eignet und sogar Bodenheizungen standhält. Vorsicht bei billigen Synthetik-Produkten! Diese neigen dazu, sich elektrostatisch aufzuladen bzw. Staub anzuziehen und sind deshalb rascher verunreinigt.
- Polyamid-Faser (PA): Polyamid-Fasern sind aufgrund ihrer enormen Strapazierfähigkeit die gebräuchlichsten Teppichbodenfasern. Sie sind ausserdem Schmutz abweisend und von hoher Elastizität. Ein weiterer Vorteil ist die sehr gute Wärme- und Schalldämmung des Produkt. Die PA wird meist ohne andere Fasern, seltener als Mischung mit Polyester verwendet.
- Polyester-Faser (PES): die vielen positiven Eigenschaften von Polyester sprechen für sich: Pflegeleicht, weist es eine hohe Elastizität und enorme Lichtbeständigkeit auf. Zudem ist die PES ausserordentlich abrieb- und verrottungsfest. Die Faser wird aufgrund ihres seidigen Glanzes vor allem für Veloure verwendet.
- Polyacryl-Faser (PAC): Polyacryl ist ein Kunststoff, der als synthetische Faser der Wollfaser wahrscheinlich am nächsten kommt. PAC trotzt Kälte und Nässe und verfügt über eine sehr gute Lichtbeständigkeit. Ausserdem ist die Faser leicht zu reinigen und verrottungsfest.
- Polypropylen-Faser (PP): aufgrund der chemischen Zusammensetzung gilt Polypropylen als besonders preisgünstige Faser. Da PP als einzige Faser unter den synthetischen Stoffen Feuchtigkeit abstösst, kann sie nicht mit der herkömmlichen Technik eingefärbt werden. Das Produkt wird deshalb düsengefärbt, was eine besonders hohe Lichtechtheit zum Vorteil hat. Weicher als andere Synthetikfasern, lädt sie sich elektrostatisch nicht auf. Häufig wird PP auch als “Outdoor”-Faser bezeichnet.